Electrocompaniet
Electrocompaniet - Wenn Musik wirklich wichtig ist
Im September 1970 sorgte die Forschungsarbeit eines bis dato unbekannten finnischen Wissenschaftlers namens Dr. Matti Otala in der internationalen HiFi-Fachwelt für großes Aufsehen. Grund dafür waren seine Erkenntnisse über Transiente Intermodulationsverzerrungen – kurz TIM genannt –, welche in der renommierten Fachzeitschrift „IEEE Transactions on Audio and Electroacoustics“ erstmals veröffentlicht wurden.
Der damals gerade mal 30-Jährige hatte sein Doktorat erst ein Jahr zuvor abgeschlossen und stellte mit seiner Forschungsarbeit sämtliche bis dahin etablierten Messmethoden zur Beurteilung von Transistorverstärkern als unzureichend infrage. 1973 stellte Dr. Matti Otala dann gemeinsam mit Jan Lohstroh auf der 44. AES-Tagung in Rotterdam erstmals einen Verstärker mit jener Schaltung vor, in dem sämtliche Erkenntnisse seiner Forschungsarbeit konsequent umgesetzt wurden. Aus einer wissenschaftlichen Theorie war damit praktische Realität geworden.
Das Interesse war entsprechend groß. Einer derjenigen, dem sich die Bedeutung dieser Forschungsarbeit augenblicklich erschloss, war der norwegische Musikproduzent Svein Erik Børja. Begeistert von den klanglichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben sollten, nahm er die Schaltpläne mit nach Norwegen und zeigte sie dort Per Abrahamsen. Der Musiker und Unternehmer erkannte ebenfalls sofort die Tragweite dieser Entwicklung. Electrocompaniet existierte zu diesem Zeitpunkt bereits als kleine Werkstatt, in der Abrahamsen Lautsprecher vertrieb und Beschallungslösungen für Musiker realisierte. Die Begegnung mit Otalas Forschung sollte jedoch die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens nachhaltig prägen.
Was ursprünglich als rein wissenschaftliche Arbeit gedacht war, nahm von da an seinen Lauf und mündete schließlich in jenem Verstärker, mit dem die heute bekannte HiFi-Geschichte von Electrocompaniet ihren Anfang nahm. Das war der Startschuss für Electrocompaniets bis heute so berühmten „The Two Channel Audio Power Amplifier“ mit 2 x 25 Watt.
In der internationalen HiFi-Fachpresse sorgte der Verstärker für Furore. Die Urteile fielen teilweise euphorisch aus. Sinngemäß hieß es: „HiFi-Freunde aufgepasst – hier kommt der bestklingende Transistorverstärker, den die Welt bisher gesehen hat.“ Für viele Musikliebhaber war dies die erste Begegnung mit einem Transistorverstärker, der eindrucksvoll zeigte, wie viel musikalisches Potenzial in dieser damals noch vergleichsweise jungen Technologie tatsächlich steckte.
Dieses Ereignis war nicht nur die Geburtsstunde eines außergewöhnlichen Verstärkers, sondern zugleich auch der Beginn einer Philosophie, die Electrocompaniet bis heute pflegt: Nicht die Technik hat im Mittelpunkt zu stehen, sondern einzig und allein die Musik.
Dass Mitgründer Per Abrahamsen selbst Musiker war, erklärt sich dabei schon beinahe von selbst. Seit Anbeginn scheint man bei Electrocompaniet eine Frage höher zu gewichten als viele andere Hersteller: Wie lässt sich Musik denn nun möglichst glaubwürdig wiedergeben?
Dieser Frage widmet man sich bei Electrocompaniet mittlerweile seit über 50 Jahren. Ihre Antwort darauf ist bis heute eine Musikwiedergabe, die weniger durch einzelne Aspekte wie Auflösung, Tempo oder Präzision als vielmehr durch natürlichen Fluss und musikalische Geschlossenheit überzeugt.
Über die Jahre hinweg sorgte diese Haltung allerdings nicht nur für Anerkennung unter HiFi-Kennern. Denn selbst in professionellen Tonstudios genießen die Komponenten aus Stavanger einen hervorragenden Ruf. Zu den Anwendern zählten unter anderem der legendäre Toningenieur Bruce Swedien, der zahlreiche Produktionen von Michael Jackson betreute, sowie die Schweizer Elektronik-Pioniere von Yello.
Für mich hat Electrocompaniet allerdings noch eine weitere, ganz persönliche Bedeutung. Sie war meine erste große High-End-Liebe – und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Ich erinnere mich noch gut an jenen Tag, an dem ich erstmals mit Electrocompaniet in Form eines ECI 4 Vollverstärkers in Berührung kam. Erst wenige Monate zuvor hatte ich voller Stolz einen neuen Verstärker und CD-Player gekauft. Neugierig fragte ich, was es mit diesem außergewöhnlichen Gerät auf sich habe. Ich kann mich an die Antwort meines damaligen HiFi-Beraters noch erinnern, als wäre sie erst gestern gewesen: „Herr Bruckner, Sie spielen mit dem Feuer.“ Auf meine Nachfrage antwortete er nur lächelnd: „Weil es dann kein Zurück mehr gibt.“ Er sollte recht behalten.
Und kaum eine Woche später stand auch schon mein neu erworbener ECI 4 zuhause in meinem Rack. Einige Monate danach kam noch ein gebrauchter EMC 1 Toplader-CD-Player dazu und damit war für mich das Dream-Team perfekt. Es war eine unglaubliche Ruhe im Klangbild, dazu kam ein tiefschwarzer Hintergrund, vor dem sich die Musik völlig selbstverständlich entfalten konnte. Gleichzeitig besaß die Wiedergabe eine Energie und Ausdruckskraft, die förmlich unter der Oberfläche glühte. Vor allem aber war da diese seltene Mühelosigkeit. Musik floss ganz selbstverständlich und ohne jedwede Anstrengung. Und dann der Bass. Kraftvoll, tiefreichend und stets souverän. Er reichte mühelos bis in die tiefsten Lagen hinunter, ohne jemals hart oder überkontrolliert zu wirken.
Auch in den nachfolgenden Jahren waren Komponenten von Electrocompaniet stets meine Wegbegleiter, mal in der Überzahl, mal in der Unterzahl. Andere Verstärker und CD-Player kamen und gingen, doch immer wieder fanden diverse Geräte aus Stavanger ihren Weg in meine Anlagen. So verwundert es wohl kaum, dass Electrocompaniet seit der Eröffnung des OHA-Studios im Herbst 2022 einfach nicht wegzudenken ist.
Bis heute fällt es mir schwer nachzuvollziehen, warum Electrocompaniet in Österreich vergleichsweise wenig Verbreitung gefunden hat. An den klanglichen Qualitäten kann es nicht liegen. Wenn dann wohl eher an einem etwas zu wenig prominenten Auftreten in der medialen Öffentlichkeit. Denn selbst was dieses Thema betrifft, scheint man die Überzeugung zu vertreten, dass echte Qualität es nicht allzu nötig hat, lautstark auf sich aufmerksam zu machen.
Sie möchten wissen, was es mit dem berühmten Electrocompaniet-Spruch „If Music Really Matters“ auf sich hat? Dann besuchen Sie uns, nur ein paar Autominuten von Wien entfernt, im OHA-Studio. Wir freuen uns auf Ihren Besuch.